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12.03.2020

Bibelteilen – Glaubenteilen, MHGG Laupheim

Seit geraumer Zeit findet in unserer MHGG nun auch ein Bibelteilen statt. Wir treffen uns jeden ersten Dienstag im Monat. Der Kreis ist offen und jeder ist herzlich willkommen. Die Gruppe zählt jeweils zwischen 8 – 12 Teilnehmer-Teilnehmerinnen. Wir gehen nach der 7-Schrittmethode vor und eine Person leitet die Gemeinschaft. Meistens wählen wir das kommende Sonntagsevangelium.

1. Begrüßen – sich zu Christus setzen
2. Lesen – das Wort Gottes verkünden und hören
3. Sich ansprechen lassen – den verborgenen Schatz heben
4. Miteinander schweigen – die Gegenwart Gottes wahrnehmen
5. Mitteilen – gemeinsam Gott begegnen durch die anderen
6. Handeln – sich vom Wort Gottes senden lassen
7. Beten – alles noch einmal vor Gott bringen

Im Jahre 2019 hat Papst Franziskus ein Jahr „des Wortes Gottes ausgerufen“, das noch bis zum 30. September 2020 laufen wird.
Diesem Jahr wollen wir bei unserem Bibelteilen ein besonderes Gepräge geben. Im bewusst werden, dass Christus in unserer Mitte ist, reichen wir einander die Bibel. Jede, jeder hält einen Moment inne, um in Stille wahr zu nehmen: „Das Wort Gottes in meinen Händen.“ Die Worte von Paul Roth unterstreichen dieses Ritual.
„Einmal am Tag, da solltest du ein `Wort` in deine Hand nehmen, ein Wort der Schrift.
Sei einfach still. Das Schweigen, Hören, Staunen ist bereits Gebet. Betaste das Wort von allen Seiten, dann halte es in die Sonne und leg es an dein Herz wie eine Muschel. Steck es für einen Tag in deine Tasche, wie einen Schlüssel zu dir selbst.“

Fang heute an! Vielleicht mit dem Wort:
„Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt.“  
Mt 5, 13-16 /  5. Sonntag im Jahreskreis A,  9. Februar 2020

Fünf Teilnehmer-Teilnehmerinnen erzählen, wie das Treffen und wie das Schriftgespräch in ihnen noch nachhaltig wirkt.

Paula – „Diese Erfahrung möchte ich nicht mehr missen“
Für mich persönlich ist es immer spannend, da ich mich gerne überraschen lasse, was wohl für ein Evangelium betrachtet wird. Die vorgesehenen Schritte führen immer tiefer in den Text ein und auf diesem Wege beschenken wir uns bereits schon gegenseitig mit den ausgesprochenen Worten. Sehr bereichernd für mich ist dann im 5. Schritt der freie Austausch unserer Erfahrungen mit dem Wort Gottes. Man kann sehr oft hautnah das Wirken des Heiligen Geistes erfahren. Es besteht eine große Offenheit, ja Vertraulichkeit untereinander, die nur Jesu Geist schenken kann. Für mich ist das ein wunderbares Erlebnis und ich möchte diese Erfahrung nicht mehr missen

Ingrid – „Lichtvolle, geschmackvolle Christen sein“
„Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt.“
Was mich gleich zu Beginn betroffen machte: Wir sind Salz – Wir sind Licht,
ich muss  es nicht noch werden. Eigentlich eine beglückende Befreiung und doch haben wir einen großen Auftrag.

Salz sein
Welche Bedeutung hat das Salz, wofür wird es benötigt? Salz ist sehr wichtig, auch wenn nur sehr geringe Mengen davon gebraucht werden, um z.B. Speisen Geschmack zu verleihen. Salz muss sich auflösen, muss sich vermengen.
Pures Salz ist nicht genießbar. Salz bewahrt aber auch vor Fäulnis, es dringt in die Dinge ein. Was bedeutet es für mich, wenn Jesus sagt, ihr seid das Salz? Einige Aussagen:
Mich zu Jesus bekennen; nicht einfach allgemeine Meinungen übernehmen;
nicht mit dem Strom schwimmen; Barmherzigkeit leben, Barmherzigkeit schenken;
liebevoll und feinfühlig dem Andern begegnen.
Die Menschen lieben und ihnen Gutes tun soll glaubwürdig sein, sonst wirken wir nicht konsequent und verlieren als Christen an Geschmack. Wir werden angeregt, in der großen Glaubensgemeinschaft wie ein Sauerteig zu sein. Der Welt Geschmack und Schönheit schenken.

Licht sein
Ihr seid das Licht, sagt Jesus. Durch die bereits empfangenen Sakramente tragen wir das Licht in unseren Herzen. Wir haben es nicht aus uns selbst, sondern von und durch Jesus Christus. Er ist in uns das Licht, das durch uns scheint.
Wir beten im Heilig-Geist-Hymnus: „Fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund“. So dürfen wir auch in dieser Gruppe füreinander und miteinander auf dem Weg sein und andere Menschen einladen, mit uns ein Stück zu gehen.
Wenn die Liebe unsere Richtschnur ist, dann sind wir Licht und Salz für die Menschen.
Licht, das vielen auf ihrem Weg leuchten soll, und jenes Salz der Güte streuen, das dem Leben einen guten Geschmack verleiht. Lichtvolle – geschmackvolle Christen sein.

Max – „…dann aber auch frohgemut in Jesu Auftrag hinausgehen“
Beim Betrachten dieses Evangeliums in Mt 5,13-16 wird mir immer wieder zutiefst bewusst, wie klar sich Jesus die Ausbreitung seines Reiches vorstellt, das er uns anvertraut hat. Doch welcher Voraussetzung es bedarf, um wirksam Salz und Licht für die Welt zu sein, dies wurde mir erst im nachhinein bewusst, als mir das Evangelium vom vorherigen Sonntag in Erinnerung kam, bei dem die Seligpreisungen in Mt 5,1-12 hervorgehoben werden.
Papst Franziskus sagt dazu: Die Seligpreisungen sind wie ein Selbstporträt Jesu, denn er selbst ist der Arme, der Gewaltlose, der Barmherzige, der Verfolgte. Wir sollen ihm nacheifern – bis die Seligpreisungen sogar zu unserem Personalausweis werden. Ja, Jesus weiß sehr wohl, welcher Zurüstung jeder Mensch bedarf, um auf gesunde Art und Weise Salz und Licht für die Welt zu sein. Diese Wahrnehmung lässt mich stets innehalten, dann aber auch frohgemut in Jesu Auftrag hinaus zu gehen. Jesus allein ist Geist und Auftrag!  

Walter – „…und ist einfach Schwarzbrot. Was wäre Schwarzbrot ohne Salz?“
Wir hatten ein sehr harmonisches Treffen und kamen auch rasch zu einem Konsens bezüglich des Anspruches des Textes. Aber danach war mir das alles doch zu schnell  gegangen und war zu rund. Ja, es war uns von Anfang an klar, dass wir alle Salz und Licht schon sind, aber dann waren wir auch schon ganz schnell auf der Handlungsschiene und tauschten uns angeregt über die Forderung des Textes aus. Aber wollte uns Jesus das an dieser Stelle tatsächlich so sagen?

Meine Gedanken kreisen seither immer wieder um die Worte Jesu: „Ihr seid.“
„Sein“  bezeichnet zunächst mal einen Zustand und keine Tätigkeit. Der Anspruch der für uns daraus  hervorgeht,  kommt in diesem Text nicht vor.
Salz und Licht sind Grundelemente unserer Schöpfung, gemeinsam mit vielen anderen, die vom Schöpfungsakt an da sind  oder von Gott in ihrer Entstehung schon vorgesehen sind.  Wenn ich daran denke, dass ich in der logischen Konsequenz der Worte Jesu auch dazu gehöre,  macht mich das fast etwas schwindelig, aber er gibt mir auch sehr viel Ruhe. Ich muss nicht ständig darüber nachdenken, wie ich richtig lebe, wie ich dem Anspruch jedes Tages gewachsen bin. Ich kann mich ganz ruhig darauf besinnen, dass das Richtige in mir schon immer angelegt ist.
Was ich tatsächlich selber tun muss? Ich muss die Verbindung zum göttlichen Geist halten und ich muss zulassen und mitmachen, was dieser Heilige Geist in mir anregt.
Das meiste davon geschieht  diskret, völlig unspektakulär,  ohne erhebende Gefühle, ganz nach meiner persönlichen Berufung und  ist einfach Schwarzbrot. Aber was wäre Schwarzbrot ohne Salz?
Ich kenne und kannte Menschen, die das in ihrem Alltag hinkriegen. Ich bete darum, dass ich das auch schaffe.

Sr. Theresia – „damit das Wort Gottes uns wandeln kann“
Als Begleiterin der Gruppe erfahre ich oft, dass wir an Grenzen kommen und die Worte gehen uns aus. Für mich sind dies kostbare Momente in denen ich verspüren darf, wir kommen auf eine Ebene, die uns in die Tiefe führen will. Vielleicht darf ich es so sagen:
Wir sind im Göttlichen angekommen. Oft ist die Gefahr groß,  das Erkannte zu zerreden und es nicht in Stille im Innern wirken zu lassen. So wird es für mich wichtig, diese Stille auszuhalten, damit das Wort Gottes uns wandeln kann.

Die Worte von Gregor dem Großen sind für  uns  wegweisend:

Herz-Worte
Entdecke im Wort Gottes
das Herz Gottes.

Es sind keine Sachmitteilungen,
die hier gegeben werden,
sondern Leben spendendes Wort.

Lassen wir uns anrühren
und verwandeln,
denn im Wort wurde alles erschaffen.

In ihm wollen wir uns jetzt
bewegen und bewegen lassen.

Denn im Lesen und Hören
wird der Text,
der Leser und der Hörer
neu geschaffen.


„Komm und sieh“  Joh  1, 39a

Ingrid, Max, Paula, Walter, Sr. Theresia SSpS